• Katrin Korndörffer

Führung und Gefühle – und warum ein Avatar bald mehr Gefühl zeigt als unsere Führungskräfte

Aktualisiert: 21. Feb 2019




Ich befürchte, dass ich heute eine ganze Reihe von Personen vor den Kopf stoßen werde.

Das tut mir leid – und andererseits auch nicht.

Ich habe mich dazu entschieden, als Trainer und Coach ein gesellschaftliches Problem aufzugreifen und dafür eine Lösung zu finden.

Mein Thema: die Menschen wieder mit ihren Gefühlen zu verbinden und somit den Avataren dieser Welt das Licht auszupusten.

Führung ohne Gefühle sollte eigentlich in unserem Zeitalter der Vergangenheit angehören. Leider ist das Gegenteil Realität.Die meisten Menschen, die nun meine ersten

Zeilen gelesen haben, werden wahrscheinlich verständnisvoll mit dem Kopf nicken oder mir ein innerliches Ja schenken. Denn wir alle kennen ein Beispiel für jemanden, der in einer Führungsposition ist, jedoch nicht Herr seiner Gefühle ist oder den Eindruck erweckt, dass Gefühle in seinem Leben kaum eine Rolle spielen. Um ehrlich zu sein, habe ich in meiner bisherigen Coachinglaufbahn nur ca. eine Handvoll Menschen getroffen, die sich ihrer Gefühle wirklich sicher waren und sie auch gelebt haben.

Auch wenn wir, also du und ich, uns nun noch nicht persönlich begegnet sind, darfst du dich in gewisser Weise auch angesprochen fühlen. Egal, ob Führungskraft oder Fleischereifachverkäuferin. Es ist der Mensch, der hier Handlungsbedarf hat. Bei der Führungskraft ist nur ein entschiedener Unterschied. Sie trägt die Verantwortung für die ihr anvertrauten Mitarbeiter. Und der Fisch fängt bekanntlich vom Kopf an zu stinken.

Woran erkennen wir den nun, wenn jemand nicht mit seinem Gefühl verbunden ist? Denn leider sind ja die emotionslosen Avatare zur Normalität geworden. Sie werden teilweise sogar ganz charmant als Charakterköpfe betitelt. Weil sie muffelig und launisch, aufbrausend und arrogant sind? Wir haben uns so sehr an emotionale Armut gewöhnt, dass es uns selber schwerfällt, zu erkennen, warum wir eigentlich keine Lust mehr an unserer Arbeit haben. Dass uns fehlende Wertschätzung und ein nicht vorhandenes Wir-Gefühl zermürbt. Oder, dass wir uns fühlen, als würden wir am langen Arm emotional verhungern.

Eine Führungskraft, die mit ihren Gefühlen verbunden ist, trifft klare Entscheidungen! Sie motiviert ihren Mitarbeiter, weil sie seine Stärken kennt! Sie hat ein echtes Interesse an ihm. Eine fühlende Führungskraft weiß um die aktuellen Schwierigkeiten und kreiert ein Wir-Gefühl. Weil sie ein Gefühl für den Weg hat, Ziele definieren kann, sich selbst reflektiert, mit Kritik konstruktiv umgeht, den Erfolg in sich spürt und den Menschen dabei mitnimmt. Dies ist aber ein Prozess, der von innen heraus entstehen muss. Das kann der Verstand gar nicht übernehmen – der ist dann höchstens für die Umsetzung zuständig.

Eine Führungskraft, die nicht mit ihren Gefühlen verbunden ist, versucht, sich ihre Sicherheit von außen zu holen. Sie trifft keine klaren Aussagen und hält sich die berühmte Hintertür immer offen. Bestimmte Dinge wurden so plötzlich nie gesagt und Informationen werden selten offen kommuniziert. Hier schwingt das berühmte Fähnchen im Wind. Angst ist hier die treibende Kraft. Angst, falsche Entscheidungen zu treffen oder die Verantwortung für Fehler zu tragen. Hier herrscht das Motto: Lieber keine Entscheidung treffen, als eine falsche Entscheidung treffen. Hier fehlt Mut! Dieser ist nicht nur ein wirklich wertvoller Wert, sondern auch ein Gefühl, welches verdrängt wird. 

Eine Führungskraft, die nicht fühlt, kann kein Leader sein. Woher soll denn die tiefe Überzeugung für eine Sache kommen, wenn sie diese selber nicht fühlen kann? Gefühlsausbrüche wie Wutattacken, Bloßstellung eines Mitarbeiters oder andere verstörende Handlungen sind mit Gefühlen übrigens nicht gemeint. Hier versucht nur etwas verzweifelt, an die Oberfläche zu kommen, was lange nicht „vernünftig“ gefühlt wurde. Das schreit geradezu nach Coaching oder Therapie.

Das Problem: Führungskräfte, die nicht wirklich fühlen, sind nicht in der Lage, ohne äußere Hilfe sich selbst zu spüren. Die Idee, dass zum Beispiel ein Weihnachtsumtrunk zum Zusammenhalt einer Abteilung beisteuert, muss dann von einem Berater kommen. Passiert dies öfter, wirkt man bei seinen Mitarbeitern unglaubwürdig und macht sich auch noch abhängig. Es ist auch falsch, zu glauben, dass ein ordentliches Gehalt genug der Wertschätzung sei. Da sind wir auf einem komplett falschen Weg. Wir können gar nicht anders, als krank zu werden, wenn wir eine solche Situation über einen längeren Zeitraum mitmachen. Unser eigenes Wertesystem macht da nicht mit. 

Um mich bitte nicht falsch zu verstehen: Gefühl und Verstand sollten ein perfektes Paar sein. Nur, frag bitte nicht deinen Buchhalter (also deinen Verstand), wie man Euphorie lebt und verbreitet. Dieses Gefühl muss selber gelebt werden, um anzustecken. Der Verstand kann uns daran erinnern, dass ein Gefühl nur dann als Kraft zur Verfügung steht, wenn es tief empfunden wird. Es geht also nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Miteinander. Verstand und Gefühl müssen wieder zusammenfinden und empathische, klare und authentische Führungskräfte hervorbringen. Führungskräfte, die intrinsisch motiviert sind.

Wir alle sollten uns also wieder auf den Weg zu uns selber machen und unsere Gefühle ausgraben. Es ist schon lange Zeit, die Verantwortung für uns und unser Handeln zu übernehmen und damit zu einem echten Vorbild zu werden.



Deine Katrin Korndörffer




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